16.02.2026
Interview mit BVPF-Geschäftsführer Michel Durieux: „Wir verbinden Tradition mit Zukunft“
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Seit Ende 2024 lenkt Michel Durieux als Geschäftsführer die Geschicke des Bundesverbands Parkett und Fußbodentechnik (BVPF) und setzt dabei auf eine konsequente Modernisierungsstrategie. Im Interview zieht er eine erste Bilanz über sein ereignisreiches Premierenjahr – von den Erfolgen der Rückvermeisterung bis hin zum politischen Tauziehen um die EU-Entwaldungsverordnung. Warum Durieux Künstliche Intelligenz (KI) als unverzichtbares Werkzeug für das Handwerk sieht und wie er den Verband im politischen Berlin als innovationsstarke Stimme neu positionieren will, verrät er im Gespräch mit FussbodenTechnik.
FussbodenTechnik: Was hat Sie an der Geschäftsführertätigkeit des Bundesverbands Parkett und Fußbodentechnik (BVPF) besonders gereizt und haben sich Ihre Erwartungen bislang erfüllt?
Michel Durieux: Mich hat gereizt, die Zukunft unseres Handwerks aktiv mitgestalten zu können – nicht nur in politischer Hinsicht, sondern auch mit Blick auf neue Entwicklungen und Werkzeuge. Der BVPF vereint Tradition, Qualität und Innovationskraft – und genau dieses Spannungsfeld empfinde ich als besonders interessant. Meine Erwartungen haben sich bislang erfüllt: Die Tätigkeit ist vielseitig, dialogorientiert und bietet großen Gestaltungsspielraum. Besonders motivierend ist für mich, neben klassischen Verbandsthemen auch neue Ansätze mitzudenken, etwa wie digitale Entwicklungen und moderne Technologien sinnvoll für Betriebe und Verbandsarbeit nutzbar gemacht werden können.
FT: Was waren Ihre persönlichen Highlights im ersten Jahr Ihrer Tätigkeit als Geschäftsführer des BVPF?
Durieux: Ein persönliches Highlight war meine Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft im Handwerk der Parkett- und Bodenleger 2025 in Berlin. Die hohe fachliche Qualität, das Engagement der jungen Gesellinnen und Gesellen sowie die große Resonanz haben eindrucksvoll gezeigt, wie leistungsfähig und attraktiv unser Handwerk ist. Solche Veranstaltungen machen deutlich, dass Investitionen in Ausbildung und Qualifikation der richtige Weg sind.
Ein weiteres wichtiges Highlight war für mich die intensive fachliche Begleitung der laufenden Diskussion zur EU-Verordnung über entwaldungsfreie Lieferketten. Gemeinsam mit dem Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) und dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) ist es gelungen, erste praxisnahe Anpassungen auf europäischer Ebene zu erreichen und wichtige Entlastungssignale für das Handwerk zu setzen. Die durch das Änderungsgesetz stärkere Konzentration der Sorgfalts- und Nachweispflichten auf den Erstinverkehrbringer, stellt dabei einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung dar, reicht aus unserer Sicht aber noch nicht aus. Zahlreiche Belastungen und Haftungsrisiken bestehen insbesondere für die nachgelagerten Marktteilnehmer weiterhin fort und machen weitere gesetzliche Korrekturen erforderlich. Für mich ist das ein Beispiel dafür, wie notwendig eine sachorientierte und kontinuierliche Verbandsarbeit ist, um Nachhaltigkeitsziele mit praxistauglichen und handwerksgerechten Lösungen in Einklang zu bringen.
FT: Was sind Ihre Hauptaufgaben beim BVPF? Wie muss man sich Ihre Tätigkeit vorstellen?
Durieux: Meine Aufgabe als Geschäftsführer ist es, unterschiedliche Ebenen miteinander zu verbinden. Ich koordiniere die Arbeit des Verbandes in Berlin, der seine Geschäftsstelle in den Räumlichkeiten des ZDB hat und in Rufweite zum ZDH sitzt. Die Wege zur Abstimmung von Themen, wie beispielsweise der Entwaldungsverordnung sind kurz. Gleichzeitig verstehe ich meine Rolle auch darin, neue Themen frühzeitig zu erkennen und zu bewerten. Dazu zählt für mich ausdrücklich die Frage, wie digitale Werkzeuge und Künstliche Intelligenz die Verbandsarbeit effizienter machen, die Kommunikation verbessern oder Mitgliedsbetriebe im Alltag unterstützen können.
FT: Welche thematischen Schwerpunkte möchten Sie in Ihrer Funktion als Geschäftsführer besonders stark vorantreiben?
Durieux: Ein klarer Schwerpunkt bleibt die Sicherung von Qualität und Fachkräften durch starke Aus- und Weiterbildung sowie die Bedeutung der Meisterqualifikation. Daneben möchte ich den Verband strategisch weiterentwickeln und zukunftsfähig aufstellen. Mich fasziniert vor allem das Potenzial von Künstlicher Intelligenz – nicht als Selbstzweck, sondern als Werkzeug. Ob bei der internen Organisation, der Wissensvermittlung, der Öffentlichkeitsarbeit oder perspektivisch auch bei Unterstützungsangeboten für Betriebe: Hier sehe ich große Chancen, den Verband moderner, effizienter und serviceorientierter zu gestalten. Wichtig ist mir dabei ein verantwortungsvoller und praxisnaher Umgang mit der Technologie.
FT: Was sind die größten Erfolge bei der Rückvermeisterung der Parkettleger?
Durieux: Die abgeschlossene Evaluation zeigt, dass die Rückvermeisterung ihre Ziele erreicht hat. Ausbildungszahlen haben sich stabil entwickelt, die Zahl der Meisterprüfungen ist gestiegen – und qualitative Aspekte wie Sicherheit, Fachkompetenz und Verbraucherschutz wurden gestärkt. Darüber hinaus sind auch gesellschaftliche Effekte sichtbar geworden, etwa ein wachsender Frauenanteil in Meisterkursen und die Integrationsleistung vieler Betriebe. Für mich ist das ein Beleg dafür, dass klare fachliche Standards und moderne Weiterentwicklung kein Widerspruch sind – im Gegenteil, sie bilden eine stabile Grundlage, auf der auch neue Themen und Technologien aufbauen können.
FT: Wie sehen Sie als BVPF-Vertreter die Zusammenarbeit mit benachbarten Verbänden? Halten Sie eine Annäherung mit den Estrichlegerverbänden langfristig für möglich?
Durieux: Der fachliche Austausch mit benachbarten Verbänden ist für mich grundsätzlich sehr wichtig, da viele Fragestellungen im Bodenhandwerk nicht isoliert, sondern nur gewerke- und materialübergreifend sinnvoll zu betrachten sind. Aus diesem Grund arbeitet der BVPF bereits heute eng mit zahlreichen Verbänden entlang der gesamten Wertschöpfungskette Boden zusammen. Dazu zählen unter anderem der Zentralverband Raum und Ausstattung, der Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz, der Bundesverband der Sachverständigen für Raum und Ausstattung sowie weitere Verbände, die sich in der Schnittstelle Fußboden zusammengeschlossen haben. Ziel dieser Zusammenarbeit ist es, dem Handwerk praxisnahe Orientierung zu geben, den fachlichen Austausch zu fördern und über gemeinsame technische Merkblätter konkrete Unterstützung für den Arbeitsalltag zu leisten.
Auch im Hinblick auf weitere benachbarte Gewerke halte ich einen offenen, sachlichen und respektvollen Dialog für sinnvoll. Ob und in welcher Form sich daraus perspektivisch eine stärkere Annäherung ergibt, ist aus meiner Sicht eine Frage gemeinsamer Themen und klar definierter Schnittmengen. Entscheidend ist, dort konstruktiv zusammenzuarbeiten, wo ein fachlicher Mehrwert für alle Beteiligten entsteht. Ein solcher schrittweiser, themenbezogener Ansatz schafft Vertrauen und kann eine tragfähige Grundlage für weiterführende Kooperationen bilden.
FT: Was sind Ihre Ansätze, dass der BVPF im politischen Berlin wieder mehr Gehör findet als früher?
Durieux: Politische Arbeit erfordert Verlässlichkeit, Fachlichkeit und Kontinuität. Mein Ansatz ist es, den Verband als kompetenten Ansprechpartner zu positionieren, der praxisnahe Erfahrungen mit belastbaren Daten verbindet. Gleichzeitig ist es wichtig, Zukunftsthemen aktiv einzubringen. Wer glaubhaft zeigen kann, dass das Handwerk nicht nur traditionsbewusst, sondern auch innovationsfähig ist, wird politisch ernst genommen.
FT: Der BVPF zeichnet sich durch sehr aktive Innungen aus: Wie kann es dem Verband gelingen, seine Mitgliederzahlen weiter zu steigern?
Durieux: Unsere aktiven Innungen sind ein zentraler Erfolgsfaktor. Um die Mitgliederzahlen weiter zu steigern, müssen wir den Mehrwert einer Mitgliedschaft klar kommunizieren und weiter ausbauen. Dazu gehören fachliche Unterstützung, Interessenvertretung, Austausch und Weiterbildung – die Bundesfachgruppen leisten hierzu bereits eine ausgezeichnete Arbeit. Ich bin überzeugt, dass der Verband künftig noch attraktiver werden kann, wenn es gelingt, neue digitale Angebote und intelligente Werkzeuge einzusetzen, die den Betrieben Zeit sparen und Orientierung bieten. So verbinden wir Tradition mit Zukunft und schaffen eine starke Grundlage für weiteres Wachstum.
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