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31.07.2026

CASEA: „Wir sind eine Manufaktur für Estrich-Bindemittel“

Firmeninfos
Auf der EPF in Feuchtwangen präsentierte sich der Gips-Spezialist CASEA „Rücken an Rücken“ mit Heidelberg Materials. Die Geschäftsführer Holger Pohlmann und Andreas Hübner ziehen im Interview mit FussbodenTechnik Bilanz, sprechen über die strategische Bedeutung von Branchenmessen und erklären, wie das Unternehmen der Verknappung von REA-Gips durch maximale Rohstoff-Flexibilität und maßgeschneiderte Lösungen begegnet.

FussbodenTechnik: Was ist das zentrale Thema für CASEA auf der Messe EPF?

Holger Pohlmann: Das zentrale Thema ist schlicht Präsenzzeit. Nach der Pandemie hatten wir uns vor drei Jahren zunächst entschieden, zu beobachten, wie Messen wieder angenommen werden – und waren ohne eigenen Stand vor Ort. Das Feedback der Kunden war jedoch eindeutig: Es kam nicht positiv an. Gemeinsam mit der Vertriebsmannschaft haben wir deshalb beschlossen, wieder Flagge zu zeigen. Unseren Messestand haben wir bewusst neben Heidelberg Materials gewählt, da wir im vergangenen Jahr unsere 25-jährige Partnerschaft gefeiert haben. Unsere Kernbotschaft lautet: Wir sind da, haben ein offenes Ohr und nutzen die Messe, um abseits des Tagesgeschäfts intensiv mit den Kunden ins Gespräch zu kommen.

FT: Was zeichnet die EPF für Sie im Vergleich zu Großmessen aus?

Andreas Hübner: Die EPF ist für uns eine reine Kontaktmesse. Wir präsentieren hier keine Produktneuheiten, sondern setzen uns zusammen, um die zukünftige Zusammenarbeit zu besprechen. Es gibt hier keine klassische Laufkundschaft wie auf der BAU in München, wo Besucher nach Dachziegeln suchen und den Gipsbereich gar nicht kennen. Die EPF ist ein hochkarätiges Branchentreffen exklusiv für den bestehenden Kundenstamm. Das macht es sehr effizient.

Pohlmann: Genau. Wer hier an den Stand kommt, versteht das Handwerk. Ergänzend zur EPF, auf der wir rund 30 bis 35 % unseres Umsatzes im Bodenbereich abbilden, sind wir nur noch auf sehr spezifischen Fachmessen vertreten: der European Coatings Show in Nürnberg für unsere technischen Gipse – die immerhin 60 % unseres Gesamtumsatzes ausmachen.

FT: Das vielfach benutzte Stichwort Nachhaltigkeit führt direkt zur Rohstoffsituation. Viele Wettbewerber klagen über die Gips-Verknappung. Wie löst Ihr Unternehmen dieses Problem?

Pohlmann: Mit rund 100 Mio. EUR Umsatz sind wir im Gipsbereich verglichen mit Riesen wie Knauf ein kleinerer Player. Aber genau das ist unsere Stärke: Wir agieren wie eine Manufaktur. Wenn ein Kunde einen problematischen Sand hat, können wir maßgeschneidert („tailormade“) reagieren und die Anteile an Natur-, Thermo- oder synthetischem Anhydrid flexibel anpassen. Große Unternehmen, die über Masse verkaufen, können diesen Service mit ihren Standardprodukten nicht leisten.

Hübner: Die Verknappung ist dennoch Realität. Durch den Kohleausstieg ist die Erzeugung von REA-Gips in Deutschland im Jahr 2024 bereits auf rund 3 Mio. Tonnen eingebrochen – ein Niveau, das eigentlich erst für 2030 prognostiziert war. Der Gesetzgeber fordert zwar im Kohleausstiegspapier den verstärkten Abbau von Naturgips, aber kein einziges Bundesland setzt das politisch um. Am Ende werden wir um Importe nicht herumkommen.

Pohlmann: Das ist die Absurdität: Die Bundesregierung fordert, das Bauen um 50 % günstiger zu machen, zwingt uns aber gleichzeitig durch die Blockade beim heimischen Naturgipsabbau dazu, Rohstoffe teuer aus dem Ausland zu importieren. Nachhaltig ist das nicht. Wir sind hier jedoch exzellent aufgestellt: Als Teil der Remondis-Gruppe haben wir über unsere Muttergesellschaft einen direkten Zugriff auf Entsorgungsnetzwerke und Kraftwerksbetreiber. Zusammen mit unseren eigenen Steinbrüchen im Harz und in Franken sowie Vorkommen in Spanien sichern wir den Rohstoffbedarf langfristig ab. Ein Selbstläufer ist der Gipseinkauf heute aber keineswegs mehr.

Calciumsulfat-Estrichbindemittel:
Ökobilanz und technische Eigenschaften im Fokus


Die EPF 2026 bot CASEA die Gelegenheit, zahlreiche Gespräche mit Verarbeitern, Planern und Handelspartnern zu führen. Im Mittelpunkt standen aktuelle Entwicklungen im Estrichmarkt sowie die wachsende Bedeutung von Gebäude-Ökobilanzen und materialeffizienten Bauweisen. Das Fazit der Messe fiel durchweg positiv aus.

Mit den Anforderungen an die Nachhaltigkeitsbewertung von Gebäuden gewinnt die Ökobilanz einzelner Bauprodukte zunehmend an Bedeutung. Grundlage hierfür sind Umweltproduktdeklarationen (EPDs), die standardisierte Informationen zu den Umweltauswirkungen eines Produkts über seinen Lebenszyklus enthalten. Ausgewiesen werden unter anderem das Treibhauspotenzial (Global Warming Potential – GWP), der Primärenergiebedarf sowie weitere Umweltindikatoren. Diese Daten bilden die Grundlage für Gebäude-Ökobilanzen und können beispielsweise für spezielle Gebäude-Zertifizierungen berücksichtigt werden.

Für Calciumsulfat-Fließestriche auf Basis der CASEA-Bindemittel können die entsprechende Umweltproduktdeklarationen des Bundesverbands Gips herangezogen werden. Die ausgewiesenen Kennwerte ermöglichen eine transparente Bewertung der Umwelteinwirkungen des Estrichsystems. Bei vergleichbaren Anwendungsfällen zeigen die verfügbaren Ökobilanz-Daten aufgrund des verwendeten Bindemittels und der geringeren erforderlichen Estrichdicken niedrigere Werte für das Treibhauspotenzial und den Primärenergiebedarf als vergleichbare Zementestrichkonstruktionen.

Die geringeren Nenndicken ergeben sich aus den Festigkeitseigenschaften des Systems. Gegenüber konventionellen Zementestrichen kann die Estrichdicke – abhängig von der Konstruktion – um bis zu 1,5 cm reduziert werden. Dadurch verringern sich der Bedarf an Bindemittel und Zuschlagstoffen sowie die in das Gebäude eingebrachte Masse. Gleichzeitig reduziert sich der Materialtransport.

Besonders bewährt hat sich Calciumsulfat-Fließestrich in Verbindung mit Fußbodenheizungen: Die flüssige Konsistenz ermöglicht eine vollständige Umhüllung der Heizrohre und damit eine gleichmäßige Wärmeübertragung. Durch die geringeren Estrichdicken reagiert das Heizsystem schneller auf Temperaturänderungen. Dies verbessert die Regelbarkeit und kann – abhängig vom Gebäudekonzept und der Betriebsweise – zur Reduzierung des Energiebedarfs beitragen.

Auch im Bauablauf ergeben sich Vorteile. Mit Einbauleistungen von über 1.000 m2 pro Tag lassen sich größere Flächen in kurzer Zeit herstellen. Das reduziert den Zeitaufwand auf der Baustelle und vereinfacht die Logistik insbesondere bei größeren Bauvorhaben.

Darüber hinaus sind die CASEA-Fließestrich Compounds hinsichtlich ihre Emissionsverhaltens geprüft. Sie erfüllen die Anforderungen des AGBB-Schemas. Die Kombination aus dokumentierten Umweltkennwerten, materialbedingten Eigenschaften und einer wirtschaftlichen Verarbeitung macht Calciumsulfat-Fließestriche zu einer etablierten Lösung im Wohnungs- und Objektbau.

Für Planer und Verarbeiter stehen damit heute nicht nur leistungsfähige Estrichsysteme zur Verfügung, sondern auch belastbare Umweltkennwerte, die in der Gebäudeplanung berücksichtigt werden können. Technische Leistungsfähigkeit, wirtschaftliche Verarbeitung und nachvollziehbare Produktdaten bilden dabei die Grundlage für die Auswahl des geeigneten Estrichsystems.

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 CASEA: „Wir sind eine Manufaktur für Estrich-Bindemittel“
Foto/Grafik: SN-Verlag
Die beiden CASEA-Geschäftsführer Andreas Hübner und Holger Pohlmann gaben in Feuchtwangen spannende Einblicke in das Gipsgeschäft.
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Das freundliche Team empfing die Fachbesucher am Messestand auf der EPF 2026.
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Besonders bewährt hat sich Calciumsulfat-Fließestrich in Verbindung mit Fußbodenheizungen.
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Die flüssige Konsistenz ermöglicht eine vollständige Umhüllung der Heizrohre und damit eine gleichmäßige Wärmeübertragung.
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